Über das Holz unserer Griffe und Hobel und seinen Namen.
Für Beitelgriffe und Hobelkörper verwenden wir red ring-cupped oak (红椆木), stets wiedergewonnenes Holz aus altem Baumbestand. Die Farbe reicht von hell bis so dunkel, dass sie an Palisander erinnert. Mineralische Streifen, Spiegel und Faserverlauf verändern sich von Kantel zu Kantel. Selbst zwei Rohlinge aus demselben Brett können sichtbar unterschiedlich ausfallen.

Botanisch gehört das Holz zu den immergrünen Ringbechereichen, der Sektion Cyclobalanopsis (auf Chinesisch 青冈类). Sie umfasst mehrere Arten. Allein in China gibt es Dutzende. Wiedergewonnenes Altholz wie unseres ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Mischung aus mehreren davon, einschließlich Hybriden. Der passendste einzelne Artname ist Quercus myrsinifolia, 小叶青冈, auch als Bambusblatteiche gehandelt. Benannt ist die Gruppe nach der Cupula, dem Becher, der die Eichel hält. Bei den vertrauten sommergrünen Eichen trägt er überlappende Schuppen, bei dieser Gruppe konzentrische Ringe. Diese Ringe sind das schnellste Erkennungsmerkmal, auch wenn die Abstammungslinie selbst anhand der DNA bestimmt wird. Die Flora of China führt sie als eigene Gattung Cyclobalanopsis. Die seit der Revision von Denk und Kollegen aus dem Jahr 2017 vorherrschende Auffassung ordnet sie wieder Quercus zu. In beiden Fällen handelt es sich um Eichen, jedoch um eine andere Entwicklungslinie und ein anderes Holz als bei den sommergrünen, ringporigen Weiß- und Roteichen, die man gewöhnlich mit dem Wort verbindet.

Der Name ist kein botanischer und wird selbst im Chinesischen meist falsch geschrieben. 椆 (chóu) ist das Holzzeichen für diese harten, dichten, immergrünen Eichen. Die Gruppe reicht von den Ringbechereichen 青冈 bis zu 柯 (Lithocarpus). Unser Holz ist die rote Sorte, 红椆. Stattdessen schreibt man gewöhnlich eines von zwei gleichlautenden Wörtern: 红绸 (rote Seide) oder 红稠 (rot und dicht). Keines von beiden ist das Holzzeichen. Unabhängig von der Schreibweise bezeichnet der Name eine Qualität: altes Holz, dessen Kern sich mit dem Alter gerötet hat und das dicht und zäh genug ist, um Schlägen mit dem Klopfholz standzuhalten. Wer es schneidet, sortiert nach Dichte und Zähigkeit statt nach Art. Der Name ist also bereits eine Sortierung, vorgenommen, bevor das Holz uns erreicht, und lange bevor die Botanik ihm einen Namen gab. White oak, red oak, hickory und cherry sind ähnlich benannt: Es sind Gebrauchsnamen, gewählt nach dem Verhalten des Holzes. Bei Eichen und Hickory umfassen sie jeweils ganze Artengruppen.
Japan verwendet dieselbe Eichengruppe. Auch die Werkzeughölzer namens 樫 (kashi) gehören zur Sektion Cyclobalanopsis. 白樫 shirakashi ist Q. myrsinifolia, eine der Arten in unserer Mischung. 赤樫 akagashi, auf Englisch als Japanese red oak verkauft, ist eine verwandte Art mit rotem Kernholz, Q. acuta. Japanische Hobelkörper und Beitelgriffe werden aus diesen Eichen gefertigt. Heute ist allerdings ein großer Teil des dafür verwendeten Holzes importiert und weicher als alte Bestände. Japanese red oak bezeichnet nur eine Art der Gruppe. Für unser Holz, eine Mischung aus der ganzen Gruppe, wäre der Name deshalb zu eng.
Viel alter Baumbestand ist nicht geblieben. Diese Eichen wuchsen einst in weiten Teilen Ostasiens. Über Jahrtausende wurden die großen Bäume nach und nach gefällt. Im letzten Jahrhundert wurde stärker eingegriffen: Was in den Bergen und schwer zugänglichen Gegenden verblieben war, wurde nach örtlichen Berichten während der kriegszeitlichen Besatzung nach Japan gebracht. Was erhalten blieb, erreicht uns als wiedergewonnenes Holz. Frisch geschlagenes Holz verwenden wir nicht, weil es meist noch nicht reif genug ist und die rote Farbe noch fehlt. Jedes Stück, das wir drechseln oder hobeln, ist deshalb alt. Wie alt genau, können wir jedoch nicht sagen.
China, Japan und andere ostasiatische Kulturen verwenden es seit Langem für Griffe und Hobelkörper, weil es zugleich hart und zäh ist. Es verträgt Schläge mit dem Klopfholz ohne Druckstellen und spaltet nicht. Die meisten Hölzer bieten nur eine dieser Eigenschaften.
Weil das Holz so stark variiert, verlangt ein zusammenpassender Satz mehr als das Sortieren der gedrechselten Griffe von Hand. Schon jeder Zuschnitt muss auf Faserverlauf und Farbe des Bretts abgestimmt werden. Wir stellen Griffe mit ähnlicher Farbe und Maserung zusammen. Deshalb kostet uns ein Satz mehr als dieselbe Anzahl einzelner Beitel. Auch nach dem Sortieren sind keine zwei identisch: Die Farben liegen nahe beieinander, doch Maserung und mineralische Linien unterscheiden sich bei jedem Stück. Eine einheitlich dunkelbraune Beize würde das verdecken. Wir lassen lieber die Linien sichtbar und übernehmen die Sortierarbeit.

0 Kommentare