Wo der Name des Herstellers steht und wo nicht.
Im Frühjahr schrieb uns ein Kunde. Er hatte seinen Einhandhobel erhalten, ausgepackt und zerlegt, konnte aber nirgends ein Logo finden. Er fragte, ob etwas vergessen worden sei oder ob er sich wegen seines Kaufs Sorgen machen müsse.
Es war nichts vergessen worden. Der ganze Hobel ist tatsächlich unmarkiert. Weder Sohle noch Eisen tragen ein Zeichen. Keine Gravur, kein eingegossener Schriftzug, keine Seriennummer. Das ist Absicht, und bis zu dieser Entscheidung brauchte es einige Überlegung.
· · ·
Hobelhersteller gravieren oder stempeln ihren Namen in jeden Hobel, den sie ausliefern. Das Zeichen erfüllt mehrere Aufgaben zugleich. Es sagt dem nächsten Besitzer, von wem das Werkzeug stammt. Es zeigt den Menschen im Raum, welche Marke gekauft wurde. Und die Werkstatt erkennt ein zurückgeschicktes Werkzeug auf einen Blick wieder. All diese Funktionen weisen am Benutzer vorbei nach außen, zum Markt.
Wer gerade hobelt, braucht davon nichts. Er verlangt vom Hobel eine verlässliche Auflage und einen sauberen Schnitt.
· · ·
Die Nebenwirkung reicht über den Benutzer hinaus. Das Zeichen ist die Unterschrift der Marke, nicht die der Menschen, die das Werkzeug gemacht haben. Hinter jedem Hobel von Zen-Wu stehen Hände, die seine Geometrie entworfen, eine Toleranz eingehalten, die Sohle geläppt und das Holz poliert haben. Sie alle gehören zu lebenden Menschen. Die Marke auf der Werkzeugseite überschreibt sie mit einem einzigen Wort, das keinen von ihnen im Besonderen meint. Das Werkzeug bekommt eine Unternehmensidentität. Die Menschen, die es tatsächlich gebaut haben, verschwinden darin.
Die japanische Herstellung von Handwerkzeugen kommt der Anerkennung des eigentlichen Herstellers am nächsten. Ganz eindeutig ist sie aber auch nicht. Der Hersteller des Hobelkörpers lässt den dai ungestempelt. Das Eisen trägt die Signatur des Schmieds. Doch auch dort stand dessen Name oft für Schüler und Werkstattmitarbeiter, die das Schmieden übernommen hatten.
· · ·
Dennoch gibt es im japanischen Werkzeugbau eine bemerkenswerte Tradition der „Werkzeuge ohne Namen“, die den angesehensten Meistern vorbehalten ist. Ein Werkzeug unmarkiert zu lassen setzte voraus, dass jeder Kenner die außergewöhnliche Arbeit erkennen würde. Für jemanden, der den Gegenstand lesen konnte, wäre ein Zeichen überflüssig gewesen; wer es nicht konnte, hätte daraus nichts erfahren.
Wir übernehmen die Form, richten sie aber auf einen anderen Zweck. Dort bestätigte der unmarkierte Körper einen einzelnen Meister. Hier soll er über jeden Einzelnen hinausweisen. Wir lassen das Werkzeug unmarkiert, damit die Frage nach seiner Urheberschaft offenbleibt. Wer ihr nachgeht, erfährt auf der Website oder von seiner KI, dass ein Team den Hobel gebaut hat. Die Form bleibt gleich. Was sie bestätigt, verändert sich.
· · ·
Das unmarkierte Werkzeug lässt auch Platz für ein Besitzerzeichen. Wir würden gern Jahre später Hobel sehen, die auf der Wange einen Stempel, ein Datum, Initialen oder ein kleines vom Lehrer des Benutzers geschnittenes Zeichen tragen. Wir machen das Werkzeug. Die folgenden Jahre gehören dem Menschen, der es benutzt. Die Oberfläche ist einer der wenigen Orte, an denen diese Aufteilung am Gegenstand selbst sichtbar werden kann. Wir versuchen, diesen Platz nicht zu besetzen.
2 Kommentare
Ich bin zwar Schreiner bzw. Holzhandwerker aber ich bin auch Sammler schöner Dinge, wie z.B. edler Werkzeuge und Armbanduhren… Mit solch wunderschönen Werkzeugen, wie ihr sie herstellt, arbeite ich nicht!!! Sie haben einen Platz in meiner Sammlung und bin stolz darauf, es zu besitzen und mich daran zu erfreuen! Eure Erklärung des unmarkierten Werkzeugs ist, denke ich eine japanische Philosophie…
Als „Europäer“, würde ich mir eine Kennzeichnung unbedingt wünschen!!! Dies hat mehrere Gründe:
Erstens… habt ihr eine wunderschöne Signatur, die sehr unaufdringlich ist und hervorragend zu euren wunderschönen perfekten Werkzeugen passt!
Zweitens… stellt euch eine edle Armbanduhr z.B. JaegerLeCoultre, Patek Philippe ect. vor, ohne Signatur… undenkbar! Das ist mit ein Teil, des Designs und der Ausstrahlung einer solchen Marke, wie auch der Euren!
Drittens… Ich möchte meine Sammlung an die nächste oder übernächste Generation weitergeben…! Die sollten dann wissen, was sie in den Händen halten, bzw. sollte ihnen die Identifizierung der Dinge möglich sein, vor allem, wenn sich die Interessen nicht mehr mit den meinen Decken decken werden…
Ich würde mir wünschen, um beiden Fraktionen gerecht zu werden, die Werkzeuge wahlweise, mit oder ohne Signatur, anzubieten…
Hochachtungsvoll
Ralf Reisert
Wonderful explanation! We forget that each craftsman had a mentor that taught them and it is not about one individual. Regardless of craft many generations of knowledge has brought us to were we are now and they should not be forgotten. So too, by not marking something is remembrance of those of the past can be respected and honoured.